Liebe Leser!
Es ist 13:30 Uhr. Wieder liegt ein Camptag hinter uns. Die Kinder und Mitarbeiter gehen nach Hause. Heute ist es besonders heiß und nach den hinter uns liegenden fünf Campwochen geht uns so langsam die Luft aus. Ziemlich müde gehe ich in den neuen Supermarkt gegenüber, um noch ein paar Zutaten für unser Mittagessen einzukaufen. „Na“, spricht mich der Ladenbesitzer an „ist euer Camp immer noch nicht zu Ende?“ Von seinem Geschäft aus hat er einen guten Blick auf das Beit Al Liqa’. Besonders auf den Sportplatz vor dem Gebäude. Wenn bei ihm vormittags noch nicht soviel los ist, steht er manchmal draußen und beobachtet die Kinder, wie sie ihre olympischen Wettkämpfe austragen.
„Es ist super, was ihr für die Kinder tut. Die ganze Stadt redet über euer Camp. Toll, dass ihr die Kinder in den langen Sommerferien sinnvoll beschäftigt, und dass sie etwas für ihr Leben lernen!“ Abu Yousef weiß, wovon er redet. Auch seine Kinder haben früher an den Kinderprogrammen des Beit Al Liqa’ teilgenommen. Nun komen sie schon seit Jahren in den Teenager- bzw. Jugendkreis.
Abu Yousef zeigt auf mein T-Shirt mit dem Logo des Camps und fragt: „Wie seid ihr eigentlich auf das Thema Afrika gekommen?“ Ich erzähle ihm ein bisschen und komme dann auf den Inhalt des geistlichen Programms zu sprechen. Dabei betone ich, wie wichtig es uns ist, dass die Kinder nicht nur Gottes Wort hören, sondern, dass sie es auch verstehen und lernen, danach zu handeln.
„Großartig!“, entgegnet Abu Yousef sichtlich begeistert. „So etwas lernen die Kinder nirgendwo. Nicht in der Schule und in der Kirche leider auch nicht! Macht weiter so. Eure Arbeit ist total wichtig für unsere Stadt!“
Während wir noch reden, kommen draußen ein paar Campkinder vorbei. „Miss, Miss!“ rufen sie mich aus dem Laden heraus. „Schau mal, was wir heute gebastelt haben!“ Voller Stolz präsentieren sie mir ihre Arbeiten. Ihre Augen leuchten. Mit einem Mal ist meine Müdigkeit wie weggeblasen. Die Freude der Kinder und die Begeisterung Abu Yousefs haben mich erfrischt und ermutigt. Voller Schwung mache ich mich auf den Heimweg.
Die Sommerzeit ist wirklich der Höhepunkt unserer Arbeit hier im Beit Al Liqa’. Was wir in diesem Jahr erlebt haben, und wie Kinder von Hörern des Wortes zu Tätern wurden, erfahrt Ihr in diesem Rundbrief!
Wir wünschen Euch viel Freude beim Lesen!
Viele Grüße –
Johnny und Marlene Shahwan sowie das gesamte Beit Al Liqa’-Team

Am frühen Vormittag des 30. Juni trudelten 23 Jungen und Mädchen im Alter von 11 – 14 Jahren mit Sach und Pack im Beit Al Liqa’ ein. Voller Aufregung, was sie wohl in den folgenden fünf Tagen und vier Nächten erwarten wird, bauten sie ihre Zelte im unteren Teil des Gartens auf. Viele von ihnen hatten noch nie außerhalb des Hauses, und erst recht noch nie in einem Zelt geschlafen. So lag für sie Abenteuer in der Luft und die meisten konnten es gar nicht abwarten, bis das Programm endlich mit dem Abendessen begann.
Das Thema des Camps war „Beziehungen“. Dabei ging es in erster Linie um die Familie, aber auch um Freundschaften mit Gleichaltrigen. Der Bibeltext aus Epheser 6 über Eltern und Kinder bot der Gruppe eine Menge Diskussionsstoff. Einige verstanden zum ersten Mal ein wenig, was es bedeutet, Vater und Mutter zu ehren. Viele hatten noch nie vorher eine Bibel in der Hand. Und weil sie sichtlich Probleme hatten, die einzelnen Bibelstellen zu finden, lernten sie mit Begeisterung die Reihenfolge der biblischen Bücher auswendig.
„Warum tut ihr das?“, fragte der elfjährige Rames unsere Mitarbeiterin Rulla, als er ihr nach der Bastelstunde half, den Raum wieder aufzuräumen. „Uns geht es so gut hier im Beit Al Liqa’: das Essen, die Spiele, die Bastelarbeiten, die Lektionen, die Zeit, die ihr mit uns verbringt... Warum seid ihr so gut zu uns, obwohl wir euch manchmal doch ganz schön nerven?“ „Aus Liebe!“, antwortete ihm Rulla. „Aus Liebe zu Gott und zu euch!“

Am letzten Tag ging es darum, wie man gestörte Beziehungen wieder in Ordnung bringt. Nach einer ausführlichen Bibelarbeit zum Thema Vergebung sollte das Gehörte dann in die Tat umgesetzt werden. Jeder, der ein Problem mit einem anderen aus der Gruppe hatte, sollte auf ihn zugehen und die Sache mit ihm bereinigen. Das war ziemlich neu für die Teenager und so gab es zu Anfang ziemlich viel Widerstand. Doch langsam schmolz das Eis und mindestens sechs Teenager gingen auf andere zu und baten um Vergebung für ihr falsches Verhalten. Gottes Gegenwart im Saal war deutlich spürbar und manche bekamen sogar feuchte Augen.
Beim Ausflug in einen Freizeitpark in Ramallah machte der zwölfjährige Ihab eine besondere Erfahrung. Unsere Teenager trugen alle dasselbe T-Shirt mit einem großen Kreuz darauf und der Aufschrift „Amazing Grace“ (erbarmende Gnade). „Bist du etwa Christ?“ machte ein Junge im Freizeitpark ihn an. „Du glaubst doch nicht etwa, dass du in den Himmel kommst?“ Ihab ließ sich nicht einschüchtern. Er erzählte dem fremden Jungen, dass Jesus für seine Sünden gestorben ist und er deshalb ganz sicher sei, in den Himmel zu kommen.
Nach dem Camp riefen uns einige Eltern an und bedankten sich. „Meine Kinder wollten überhaupt nicht mehr nach Hause!“, erzählte eine Mutter und fügte dann hinzu: „Danke, dass es das Beit Al Liqa’ gibt!“

Insgesamt sechs Wochen lang ging es in diesem Sommer im Beit Al Liqa’ ziemlich afrikanisch zu. „Jambo Afrika“ („Hallo Afrika“) war das Motto unserer beiden dreiwöchigen Kindercamps, an denen insgesamt um die 250 Kinder teilnahmen.
In dem mit Dschungeltieren und einem Buyubaum dekorierten Saal wurden die Kinder jeden Morgen mit afrikanischen Klängen zum geistlichen Programm begrüßt. Hier lernten sie eine andere Welt, eine fremde Kultur und sogar eine neue Sprache kennen. Jeden Tag gab es ein bisschen Unterricht in Swahili. Sogar Lieder lernten sie in dieser afrikanischen Sprache. Die arabisch-sudanesischen Lieder sorgten für besondere Stimmung und auch ein englisches Dschungellied durfte nicht fehlen. Es gab Missionsgeschichten aus dem Urwald und Missionsinformationen über ein Kinderprojekt in Südafrika. Täglich beteten wir für diese Kinder und danach machte die große Opferdose ihre Runden durch den Saal. Die Kinder lernten: Woanders auf der Welt gibt es viele Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns hier. Und es gibt ganz viele, die noch nie etwas von Jesus gehört haben!

Der Höhepunkt des geistlichen Programms aber waren die Tiergeschichten von „Unter dem Buyubaum“. Auf eindrückliche Weise vermittelten sie geistliche Wahrheiten und in Kombination mit einer biblischen Begebenheit sowie einem Lernvers bildeten sie eine wunderbare Einheit. Melissa verstand sich großartig darauf, die Geschichten sehr spannend, mit ganz viel Schauspielkunst und noch mehr Geräuschen, zu erzählen. Nicht nur die Kinder waren davon begeistert. Auch die Mitarbeiter wurden sehr von den Geschichten angesprochen und diskutieren so manches Mal in der darauffolgenden Frühstückspause über deren Bedeutung.
Es war uns besonders wichtig, nicht nur ein tolles Programm abzuziehen, sonders wirklich für die Kinder dazusein. Deshalb wartete in jeder großen Pause eine Mitarbeiterin unter dem Feigenbaum auf Kinder, die das Gespräch suchten. Viele kamen einfach nur so. Andere suchten Zuwendung oder wollten der „Miss“ erzählen, dass sie auch zu Hause in der Bibel lesen. Viele sagten die Bibelverse auf, die sie gelernt hatten. Manche Kinder schütteten ihr Herz aus oder kamen mit ihren und Problemen.
In diesem Jahr hatten wir um die 25 moslemische Kinder in den Camps. Einige von ihnen kamen schon das zweite Jahr und waren voller Begeisterung bei der Sache. Eine Mutter, die mit zu einem Ausflug fuhr, erzählte im Bus: „Ich habe all meinen Nachbarn erzählt, dass meine Kinder zu dem besten Camp in der ganzen Umgebung gehen!“ Als der Bus längere Zeit an einem Checkpoint aufgehalten wurde, begannen die Kinder die Camplieder zu singen. Gemeinsam mit ihren beiden Töchtern stimmte diese Mutter voller Begeisterung mit in den Lobpreis Gottes ein. Eine andere Mutter erzählte, dass ihre Kinder Zuhause den ganzen Nachmittag von Jesus singen würden. Und zwar so laut, dass es die ganze Nachbarschaft hört!
Einige unserer Mitarbeiterinnen sind von moslemischen Hintergrund. Für sie war es ein besonderes Anliegen, sich besonders um diese Kinder zu kümmern und während des gesamten Camps für sie zu beten. Immer wieder wurden sie gefragt: „Warum sagt ihr, dass Jesus der einzige Weg zu Gott ist?“ Und immer wieder benutzen sie Aussagen aus dem Koran und natürlich auch aus der Bibel, um diesen Kindern eine Antwort zu geben.
Am letzten Tag des geistlichen Programms waren viele Kinder sehr angesprochen. Man merkte ihnen an, dass sie verstanden hatten, worum es beim Christsein geht. Nicht um das „So-tun-als-ob“ wie der Affe in der Dschungelgeschichte, der dachte, wenn er sich ein Löwenfell umhängt, dann denken die anderen Tiere, dass er ein Löwe sei. Viele erkannten, dass es nicht um das Äußere geht, nicht darum, nur Hörer, sondern auch Täter des Wortes zu sein.
Der Abschied war in beiden Camps sehr bewegend. Viele Kinder kamen auf uns zu, umarmten uns und hatten Tränen in den Augen. So etwas hatten wir bisher noch nicht erlebt. Auch die Mitarbeiter wollten nicht voneinander Abschied nehmen. „Warum machen wir nicht noch ein Camp?“, fragten einige. Die Kindercamps waren nicht nur für die Kinder der Höhepunkt des Sommers. Auch für die Mitarbeiter waren sie ein ganz besonderes Erlebnis. So bleibt uns nur mit einem Lied in Swahili, das wir in den Camps gerne gesungen haben, zu sagen: „Ahsante sana Yesu! Vielen Dank, Jesus! Danke für diese wunderschönen Kindercamps!“

Suchen und Finden
Der krönende Abschluss unserer diesjährigen Sommercamps war das Jugendzeltlager. Von den 39 jungen Leuten waren einige ganz neu mit dabei. Die Atmosphäre war super. Die Jugendlichen hatten viel Spaß an den Spielen, dem gemeinsamen Basteln, dem Sport und den Ausflügen! (Leider bekamen wir keine Erlaubnisse für die israelischen Gebiete, was ziemlich deprimierend war!!!)
Beim geistlichen Programm ging es um das Thema Zugehörigkeit und zwar in bezug auf die Familie, die Gemeinde, das Beit Al Liqa' und auf den Himmel! Dazu hatten wir verschiedene Gastredner eingeladen. Der Abend, bei dem es um den Himmel ging, war besonders bewegend. Die Jugendlichen hörten gar nicht mehr auf mit dem Fragenstellen. Man merkte ihnen an, wie sehr sie dieses Thema beschäftige. So sehr, dass einige hinterher in Tränen ausbrachen und das Gespräch mit den Mitarbeitern suchten.
Am letzten Abend hatten wir einen jungen Mann eingeladen, der sein Zeugnis erzählte: „Ich habe alles ausprobiert: Drogen, Okkultismus und vieles mehr. Aber nichts füllte wirklich die Leere in meinem Herzen!“ Die Jugendlichen waren total beeindruckt, wie Gott das Leben dieses jungen Mannes verändert hatte. Es wurde ein langer Abend. Am Ende blieben drei Jungen zurück. Nach weiterem Fragen und Suchen gingen sie auf die Knie und übergaben ihr Leben Jesus.
Auch ein Mädchen, das zum ersten Mal an unserem Camp teilnahm, entschied sich ganz bewusst für Jesus. Sie war besonders beeindruckt von dem Vers aus Römer 14,8, wo es heißt: „Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“ „Ich will nur noch für Jesus leben!“ verkündigte sie allen. Und zur Erinnerung schrieb sie sich diesen Bibelvers auf ihr Handy.
Doch es gab auch Probleme in diesem Zeltlager. Nicola (Name geändert), der schon seit längerem Schwierigkeiten machte, benahm sich eines Abends total daneben. In seiner Wut griff er sogar Mitarbeiter an. Es gab große Aufregung. Die normale Reaktion auf sein Fehlverhalten wäre gewesen, diesen Jungen nach Hause zu schicken. Doch wir wussten, dass Nicola total haltlos war und sogar vor kurzem einen Schulverweis bekommen hatte. „Wenn wir Nicola heute wegschicken, werden wir ihn vielleicht für immer verlieren.“, sagte Johnny, als er sich mit den Mitarbeitern Andres, Melissa, Rulla und William beriet. Sie be-schlossen, sich um diesen Jungen zu kümmern. Das darauffolgende Gespräch zwischen Johnny und Nicola dauerte sehr, sehr lange. Am Ende ging Nicola in den Saal, stellte sich vor alle Teilnehmer und entschuldigte sich. Diese Lektion wird er wahrscheinlich sein Leben lang nicht vergessen.
Wir haben allen Grund, Gott für diese sehr intensiven Tage (und Nächte!!) zu danken! Wir spüren, dass unsere Jugendlichen erwachsener geworden sind und, dass viele von ihnen endlich verstanden haben, worum es uns als Mitarbeiter die ganze Zeit geht: Wir möchten, dass diese jungen Leute Jesus kennenlernen und ihm ihr Leben anvertrauen! Bitte betet ganz besonders für die Jugendarbeit im Beit Al Liqa’!

Hier soll sie einmal stehen, die sogenannte FriedensArche! In einem großen, hohen Saal möchten wir einen Abenteuerspielplatz einrichten. Ein Platz, an dem sich Familien mit ihren Kindern auch während der kalten Jahreszeit aufhalten können. Ein Ort der Begegnung, der Liebe und der Geborgenheit.

Im Sommer ist in unserem wunderschönen Garten immer viel los: Kinder spielen, Erwachsene entspannen sich oder kommen miteinander ins Gespräch. Viele verbringen bis zu fünf Tage in der Woche auf unserem Gelände. Kein Wunder, denn die Palästinenser aus den Autonomiegebieten dürfen nicht ohne Erlaubnis nach Israel. Doch diese Erlaubnis erhalten sie meistens nur zu Ostern oder zu Weihnachten. Deshalb verbringen die meisten Menschen praktisch ihre ganze Zeit in der Provinz Bethlehem. Doch in unserer kleinen, eingemauerten Welt von nur 40 Quadratkilometern gibt es kaum Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. So kommen die Leute zu uns und genießen ihren „Urlaub“ in unserer schönen, grünen Oase.
Beit Al Liqa’ ist ein wichtiger Treffpunkt in der Stadt, ein Ort der Begegnung für Jung und Alt! Wir freuen uns, dass sich die Leute bei uns so wohl fühlen. Unter dem Feigenbaum oder an den kleinen Steintischen kommt man schnell mit den Leuten ins Gespräch. Für viele ist unser Zentrum schon zu einem zweiten Zuhause geworden!
Damit diese Kontakte im Winter nicht unterbrochen werden und die Kinder von Bethlehem auch in der kalten Jahreszeit einen Ort zum Spielen haben, möchten wir die FriedensArche bauen. Wollt Ihr uns dabei helfen? Jede Spende zählt!
Wir danken für alle Unterstützung!
Spenden an die DMG bitte Verwendungszweck „Shahwan – FriedensArche“ hinzufügen!
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